Unsere Fechtabteilung

Fechten in Bamberg

Fechten – darunter kann sich wohl jeder etwas vorstellen. Die meisten denken dabei vermutlich an die berühmten Drei Musketiere, wie sie sich mit dem Degen in der Hand spektakuläre Gefechte auf Leben und Tod liefern. Mit ihren überlegenen Fechtkünsten besiegen sie dabei selbstverständlich jeden ihrer Gegner und kämpfen Mal für Mal verwegen für Liebe, Freiheit und alles andere, für das es sich eben zu kämpfen lohnt. Natürlich stets nach dem Motto: Einer für alle, alle für einen.

Nur Wenige können sich aber vorstellen, wie Fechten im 21. Jahrhundert aussehen soll. Denn Duelle auf Leben und Tod gibt es ja – zum Glück, kann man nur sagen! – nicht mehr. Und es würde wohl auch so manches Aufsehen erregen, wenn man heutzutage mit dem Degen in der Öffentlichkeit umherspazieren würde. Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen hätte man damit zumindest nicht viel zu lachen. Dabei ist Fechten heute ein ganz normaler Sport – und dennoch kein Sport wie jeder andere!

Denn auf der Bahn wird dem Fechter so einiges abverlangt: Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit sind genauso unerlässlich wie eine präzise Technik, permanente Aufmerksamkeit und natürlich eine gute Strategie, mit der man die Schwächen des Gegners ausnutzt, um ihm immer einen Schritt voraus zu sein. Fechten erfordert eine komplette Kontrolle und vollendete Koordination von Körper und Geist. Zugegeben, das klingt vielleicht etwas hochgegriffen. Vielleicht sollte man besser sagen: Ein perfekter Fechter beherrscht all dies – aber wer ist schon perfekt? Es geht also eher darum, im Training andauernd daran zu arbeiten, immer schneller, flinker, präziser zu werden, eine immer bessere Strategie immer besser umzusetzen. Unnötig, das noch hinzuzufügen, aber der Vollständigkeit halber sollte es dennoch erwähnt werden: Das alles macht riesigen Spaß! Und wer zum Beispiel bei den Olympischen Spielen schon einmal einen Fechtkampf beobachtet hat, der kann sich ein Bild davon machen, wie viel Leidenschaft und Emotionen in einem gerade einmal drei Minuten langen Gefecht stecken können. Um allerdings beurteilen zu können, wie unglaublich anstrengend solche drei Minuten voller Hin und Her, Angriffen und Paraden sein können, muss man selbst einmal eine Fechtwaffe in die Hand genommen haben und auf der Bahn gestanden sein.

Beim Fechten gibt es drei verschiedene Waffengattungen: Florett, Degen und Säbel. Die Unterschiede liegen dabei hauptsächlich bei der Trefferfläche, also dem Teil des gegnerischen Körpers, den man treffen muss, um einen Treffer zu landen. Während man nämlich beim Degen den ganzen Körper treffen kann, beginnt beim Säbel die Trefferfläche erst oberhalb der Gürtellinie. Beim Florett erzielt man erst dann einen Punkt, wenn man den Torso trifft, also den Körper ohne Beine, Arme und Kopf. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass der Säbel eine Stich- und Hiebwaffe ist, während beim Florett und Degen nur dann ein Treffer angezeigt wird, wenn man mit der Spitze der Waffe trifft.

Im Gefecht trägt man natürlich immer ausreichende Schutzkleidung, sodass es keine Verletzungen gibt und man auch keine Angst davor haben muss getroffen zu werden. Denn selbst Treffer abzubekommen gehört zum Fechten genauso selbstverständlich dazu wie die Maske. In den Anfängen des Sportfechtens – quasi zwischen den Drei Musketieren und heute – musste noch der scharfe Blick aufmerksamer Seitenrichter, die neben der Bahn standen, bemüht werden, um festzustellen, wann ein Fechter getroffen wurde und ob der Treffer nun auf der gültigen Trefferfläche lag oder auch nicht. Doch auch vor dem Fechtsport hat die Digitalisierung nicht Halt gemacht.

Heute sorgt ein ausgetüfteltes elektronisches Equipment dafür, dass nur die Treffer als gültig angezeigt werden, die auch wirklich auf der Trefferfläche waren. So verläuft ein sehr feines Kabel von der Spitze des Floretts oder Degens bis zum Griff, wo es mit einem sogenannten Körperkabel verbunden wird. Das wiederum wird am Arm des Fechters entlanggeführt und schließlich mit einem Kabel verbunden, das über das Ende der Fechtbahn zum Melder hingeleitet wird. Weil der Fechter über seiner Trefferfläche eine Weste trägt, die mit hauchdünnen Metallfäden durchsetzt ist, schließt sich im Melder der Stromkreis, wenn ein Fechter von seinem Gegner getroffen wird, und der Melder zeigt einen gültigen Treffer an. Beim Fechten steht man also im wahrsten Sinne des Wortes immer unter Strom – aber natürlich spürt man davon nichts, und die Stromspannung ist auch nur sehr niedrig.

Wie läuft so ein Gefecht nun also ab? Zu Beginn stehen sich die beiden Gegner mit ausreichend Abstand an ihren Startlinien auf der Bahn gegenüber. Dann gibt der Obmann – so heißen die Schiedsrichter beim Fechten – das Startkommando: Stellung, fertig, los! Ab dann belauern sich die Fechter gegenseitig, treiben den Gegner mal die Bahn entlang oder werden selbst die Bahn entlang getrieben, spielen vorsichtig mit der gegnerischen Waffe oder starten Scheinangriffe, um die Reaktionen des Gegners abzuschätzen. Irgendwann wird dann einer den ersten richtigen Angriff wagen. Vielleicht landet er damit schon einen Treffer, oder aber der Gegner war schon darauf vorbereitet und wehrt den Angriff mit einer Parade ab, um dann selbst zum Gegenangriff überzugehen. So geht das nun voller Spannung und Energie hin und her, bis irgendwann der erste Treffer fällt, die Lampe des Melders aufleuchtet und der Obmann das Gefecht mit einem lauten „Halt!“ unterbricht. Gewonnen hat schließlich, wer zuerst fünf Treffer gesetzt hat.

Die Fechtabteilung der TSG 2005 Bamberg ist die größte Fechtabteilung in Oberfranken und dort auch die unangefochtene Floretthochburg. Regelmäßig holen die Fechterinnen und Fechter der TSG Meistertitel im Einzel oder in der Mannschaft nach Bamberg, und auch auf überregionalen Turnieren sind die TSGler immer wieder erfolgreich vertreten. Die beiden Turnierfechter Max Bauer und Patrick Harman waren etwa lange Zeit im Bayerischen Florettkader und haben die TSG schon mehrere Male bei Deutschen Meisterschaften in verschiedenen Altersklassen vertreten. Und mit Manfred Hojer hat die TSG sogar einen Vizeweltmeister im Seniorenflorett vorzuweisen. Aber selbstverständlich sind auch alle Breitensportlerinnen und Breitensportler gut bei der TSG aufgehoben: Beim gemeinsamen Training findet sich für jedes Niveau ein geeigneter Trainingspartner, und die ehrenamtlichen Trainer und Übungsleiter passen ihre Übungen natürlich dem Niveau des jeweiligen Fechters an.

Das ganze Jahr hindurch werden auch Anfängerkurse angeboten, bei denen die Neulinge langsam in alle Basics eingeführt werden, bis sie dann ihr erstes Freigefecht auf der Bahn absolvieren können. Dabei gilt immer: Man ist nie zu alt fürs Fechten! Vom Schüler bis zur Seniorin sind bei der TSG alle Altersgruppen vertreten, und auch die Senioren glänzen immer wieder auf Turnieren. Man könnte (fast) sagen: Fechten ist ein Sport für alle von 9 bis 99 Jahren!

Wenn Sie neugierig geworden sind und Lust bekommen haben, auch mal auszuprobieren, wie es so ist, mit der Maske auf dem Kopf und dem Florett in der Hand auf der Bahn zu stehen – dann tun Sie es doch einfach! Kommen Sie vorbei und nehmen Sie am Training teil, das zweimal pro Woche in der Turnhalle des Franz-Ludwig-Gymnasiums stattfindet. Die Fechterinnen und Fechter der TSG freuen sich immer über Neulinge jeder Altersstufe und hoffen darauf, schon bald mit Ihnen die Klinge zu kreuzen – Engarde!

PH

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